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Freitag, 9. Januar 2009

Billig-Bio für alle?



Eine ältere Frau legt die Fertigtütensuppe, Milch, die eingeschweißte Sportuhr und zum Schluss eine Tüte Bio-Möhren auf das Kassenband bei Aldi. Die junge Frau mit bauchfreiem Topp geht mit einer prall gefüllten Tüte vom Basic-Biosupermarkt in der einen Hand und mit einer nicht minder vollen Aldi-Tüte in der anderen Hand zu ihrem Fahrrad. Keine typischen Ökos, aber dennoch zeigen diese beiden Frauen: Bio ist seinen Jesuslatschen längst entwachsen.


Bio-Produkte sind für verschiedene Käuferschichten attraktiv geworden. Jede zweite Bio-Möhre wird mittlerweile bei Aldi verkauft. Bei Bio-Kartoffeln sieht es noch drastischer aus: Die Albrecht-Brüder verkaufen fünfmal so viele Bio-Kartoffeln wie der gesamte Naturkosthandel zusammen! Und auch die Supermärkte und Drogerien sind mit einem eigenem Bio-Sortiment und eigenen Bio-Marken längst auf den Trend aufgesprungen.

Dennoch: Jährliche Zuwachsraten von 15 Prozent können nicht darüber hinwegtäuschen, dass Bio-Lebensmittel bislang nur drei Prozent der in Deutschland konsumierten Esswaren ausmachen. Ein kleiner, aber feiner Markt, der immerhin vier Milliarden Euro ausmacht. Zirka 32.000 Produkte tragen mittlerweile das von Renate Künast eingeführte Bio-Siegel, das Mindestbiostandards garantiert.

Das Dilemma der Öko-Branche
Die Branche steckt in einem Dilemma: Je größer die Nachfrage nach erschwinglichen Bio-Produkten wird, umso mehr ist sie ähnlichen Zwängen unterworfen wie auch die konventionelle Landwirtschaft: Betriebe müssen größer werden und rationalisieren, wenn sie Discounter oder Supermärkte beliefern wollen. Auch auf Importe beispielsweise von Futtermitteln kann kaum noch verzichtet werden. Der kleine idyllische Biohof mit ganzheitlichem Kreislaufmodell ist kaum noch konkurrenzfähig. Vor allem, wenn im Ausland billiger produziert wird.

"Billig-Bio gefährdet hohe Standards", meint auch Dr. Peter Schaumberger, Geschäftsführer des Anbauverbandes Demeter. Er befürchtet, dass es zu einer Industrialisierung wie in der konventionellen Landwirtschaft vor 30 Jahren kommen werde - mit Großbetrieben, Massentierhaltung und langen Transportwegen. Nur eben mit weniger Chemie und ohne Gentechnik. Mit einem Bio-Produkt, das nur den EU-Mindestanforderungen genüge, sei es wie mit einem billigen Auto, "das zwar fährt, aber klappert und lange nicht so sicher ist wie ein teureres".

Auch die Öko-Pioniere von einst ächzen unter dem neuen Konkurrenzdruck. Manch ein Naturkostladen, der schon in den 80ern für gesunde Produkte und eine nachhaltige Landwirtschaft geworben hat, kann beim immer größer werdenden Preisdruck nicht mehr mithalten. Dazu tragen auch die aus dem Boden schießenden Bio-Supermärkte und Bio-Discounter bei. Die einzige Chance, die den kleinen Läden meist bleibt, ist die Nische in der Nische: der Ökoladen mit einem speziellen Öko-Café, mit einem besonderen Käseangebot oder mit Ökoprodukten aus der Region.


 
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