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Freitag, 29. August 2008

Kinderlos durch Alltagschemikalien?



In Deutschland werden zu wenig Kinder geboren - so die allgemeine Klage. In den Diskussionen geht es um Elterngeld, Kindergartenplätze und Ganztagsschulen. Doch was ist mit den vielen Paaren, die ungewollt kinderlos bleiben? Eine aktuelle Greenpeace-Studie zeigt: Chemikalien können die menschliche Fortpflanzungsfähigkeit massiv beeinträchtigen.


Die Chemikalien entweichen aus Alltagsprodukten wie Kleidungsstücken, Lebensmittelverpackungen, Kosmetikartikeln, Computern, Teppichen oder Konservendosen. Über die Haut, die Nahrung oder beim Atmen gelangen sie in den menschlichen Körper. Die EU-Chemikalienverordnung REACH (Registrierung, Evaluierung und Autorisierung von Chemikalien), über die seit über zwei Jahren kontrovers diskutiert wird, bietet die Chance, Männer und Frauen besser vor fruchtbarkeitsschädigenden Stoffen zu schützen. Greenpeace fordert die Bundesregierung auf, sich bei den im Sommer anstehenden Verhandlungen in Brüssel dafür einzusetzen, gefährliche Chemikalien durch unbedenklichere Alternativen zu ersetzen.

Nach der neuen Studie "Our reproductive health and chemical exposure"("Fruchtbarkeit und Chemikalienbelastung") hat die Qualität der männlichen Spermien in den letzten fünfzig Jahren rapide abgenommen. Auch Hodenkrebs wird immer häufiger diagnostiziert. Die Anzahl von Missbildungen der Geschlechtsorgane bei Neugeborenen nimmt stetig zu. Im Vergleich zu den sechziger Jahren bleiben doppelt so viele Paare ungewollt kinderlos.

Im Mittelpunkt der aktuellen Greenpeace-Studie stehen die Schadstoffe Phthalate, Alkylphenole, bromierte Flammschutzmittel, künstliche Moschusverbindungen, Organozinn-Verbindungen und Bisphenol A. Diese Chemikalien machen aber nur einen Bruchteil des Problems aus: Schätzungsweise 100.000 Chemikalien werden weltweit produziert. Die meisten wurden nie auf ihre Schädlichkeit hin untersucht.

Chemie-Industrie will eine schwache Chemikalienverordnung
Die REACH-Verordnung der EU soll zukünftig die Herstellung und Verwendung von Chemikalien regeln. REACH könnte die Belastung mit einigen der gefährlichsten Chemikalien verringern, wenn diese - wie vom Europaparlament im November 2005 entschieden - durch weniger gefährliche Alternativen ersetzt werden müssten.

Die Minister im EU-Wettbewerbsrat hatten sich Ende letzten Jahres gegen eine solche Regelung ausgesprochen. Nach ihrem Willen sollen gesundheitsschädliche Chemikalien auch weiterhin vermarktet werden können. Ende Juni 2006 wird der Gesetzesentwurf erneut dem Europäischen Parlament vorgelegt, das dann im Herbst in zweiter Lesung darüber abstimmt. Die chemische Industrie setzt alles daran, die Verordnung aufzuweichen, und verharmlost die Gefahren der Chemie im Alltag.

Zum Weiterlesen:


 


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