Zunächst sind schon die Artgrenzen eine schwer überwindbare Hürde.
Zudem erfolgt die Vererbung höherer Lebewesen bei geordneter Genomverteilung: Die Abfolge der Gene auf den Chromosomen folgt einem bestimmten Bauplan. In der Regel können nur Gene, die auf den Chromosomen den gleichen Platz haben, bei der Fortpflanzung ausgetauscht und das Erbgut auf diese Weise neu kombiniert werden.
Schließlich haben Mutationen zwar einen wichtigen Einfluss auf die natürliche Evolution. Doch wirklich zugelassen wird jeweils nur ein kleiner Teil der Veränderungen im Genom. Gerade die Pflanzen zeigen, dass man die Wirkung einzelner Gene nur verstehen kann, wenn man das Genom als System begreift: Pflanzen sind beständig einem der stärksten mutationsauslösenden Reize, dem UV Licht, ausgesetzt. Sie haben vielfältige Mechanismen entwickelt, um zu verhindern, dass ihre Gene außer Kontrolle geraten: Dies zeigte die Analyse des ersten kompletten Genoms einer Pflanze, der Ackerschmalwand (Arabidopsis).
Auffällig hoch ist die Zahl der Gene, die Reparaturmechanismen im Genom übernehmen. Mutierte Gene oder fremde Erbinformationen, die u.a. über Viren in die Pflanzen eingeschleust werden, werden in der Regel entdeckt und stillgelegt. Diese Mechanismen sind unter anderem dafür verantwortlich, dass die Grundstruktur des Genoms auch über lange Zeiträume hinweg konserviert werden kann.
So weisen Gräser selbst nach 60 Millionen Jahren Evolution über die Artgrenzen hinweg überraschend große Ähnlichkeiten in der Struktur ihres Erbgutes auf. Die Evolution und die Genom-Organisation höherer Lebewesen stellt sich so als ein Balanceakt zwischen Chaos und Ordnung, Vielfalt, Veränderung und Stabilisierung dar.
In diesen Prozess einzugreifen, ohne das Regelwerk ausreichend zu verstehen, ist unverantwortlich. Vor diesem Hintergrund muss die Freisetzung gentechnisch veränderter Organismen als ein massiver Eingriff mit unabsehbaren Folgen betrachtet werden.


